Am Rande von Schmutzlachen

Wer Feridun Zaimoglus Interviews kennt, wird sich nicht weiter über spritzige Bemerkungen wundern, wie

Warum halten sich bemerkenswert viele Damen und Herren in der Literaturkritik so gerne am Rande der Schmutzlache auf, in der das Fräulein der Saison badet?

Das Fräulein der Saison ist Helene Hegemann. Die 17-Jährige, die im Moment als neues Wunderkind des Literaturbetriebs abgefeiert wird. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, darüber lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus, da ich nicht vorhabe Axolotl Roadkill zu lesen. Eine fundierte Kritik meinerseits ist also nicht möglich. Nur so viel: Als sie bei Harald Schmidt zu Gast war, bin ich nach einer Minute die Wäsche aufhängen gegangen. Und die Bücher der Fräuleins der Saison zu lesen, nur weil die Diskussion gerade heißläuft, lag mir schon immer fern. Erst recht, wenn diejenige, die da schreibt, sich an anderer Leute geistigem Eigentum bedient. Am Rande von Schmutzlachen gefällt es mir eben nicht so gut.

Ach ja, Feridun Zaimoglu sagt im Interview mit der Süddeutschen auch noch:

Man sollte einen neuen Preis ausloben, den Jugend-Sample-Preis, und dann könnten jene Kritikerinnen und Kritiker, um die es geht, bei der Preisverleihung in der ersten Reihe stehen und sich die Hände blutig klatschen. Aber diejenigen, die der Meinung sind, dass es besser ist, seine Bücher selber zu schreiben, sollten mit diesem Pipifax bitte nicht belästigt werden. Denn abschreiben ist nicht originell, sondern schäbig. Das geistige Eigentum ist nicht Verhandlungsmasse von entfesselten Kleinbürgern.

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Doch, noch eins:  Nessa Altura nimmt sich in ihrem Autorenexpress den Titel Axolotl Roadkill mal genauer zur Brust.  Lesenswert!

Ach ja und noch ein Letztes: Auch wenn der Name Zaimoglu mich früher immer so schön an Mogli aus dem Dschungelbuch erinnert hat, habe ich gelernt, dass man das „g“ gar nicht mitspricht. Also, lieber *Feridün Seimohllu*, vielen Dank für dieses Interview.

6 Antworten zu “Am Rande von Schmutzlachen

  1. schönes interview, der herr gibt ja meistens schöne interviews – hatte ihn mal zu einem anderen thema auf kasse4, da ging’s um seine ablehnende Haltung gegenüber dem Internet. Großer Spaß!

    http://kasse4.wordpress.com/2010/01/26/klicken-selbstbestimmung-zaimoglu-zweifelt/

    • Ja, das find ich auch. Man mag ihn mögen oder nicht. Aber er ist ein Kluger. Das mit dem Internet hat er hier ja auch noch mal erzählt. Ist ein bisschen schrullig, aber verstehen tu ich’s schon. Ich verbringe auch viel zu viel Zeit vor meinem Blog, Twitter, E-Mail-Postfach …

  2. Pingback: Gut, was Feridun Zaimoglu da sagt « Kasse4

  3. Die Bezeichnung „Fräulein der Saison“ passt. Mich hat der Hype um „Axolotl Roadkill“ trotzdem neugierig gemacht und ich kann versichern: Man verpasst nichts, wenn man um dieses Buch einen Bogen macht. Habe diese Erfahrung auch auf meinem Blog verarbeitet: http://suednordost.wordpress.com/2010/02/28/axolotl-langeweile/

  4. das ist ja ein herrliches Zitat. Danke für den Tipp

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