Essen bei Oma

Als ich klein war fuhren wir alle paar Wochen Sonntags zu meiner Oma. Schon auf der guten Stunde Autofahrt stieg die Vorfreude. Dort angekommen wartete meine Oma bei gutem Wetter vor ihrer Haustüre auf einer Bank in der Sonne. Außerdem wartete das Mittagessen. Es gab meistens Sonntagsbraten mit Soße, Salzkartoffeln und dem leckersten Salat überhaupt. Und zum Nachtisch gab es ein besonderes Highlight: Eingemachtes Obst.

Ein Highlight war das vor allem, weil ich die Schüsseln, in denen es serviert wurde, so schön fand. Meine Lieblingsschüssel war flach, rosa und mit so einem Kristallmuster. Darin schmeckte es noch mal so gut. Wenn ein neuer Einmachtopf geöffnet wurde, durfte ich ihn zusammen mit meinem Vater aus dem Keller holen. Auch das war für mich jedes Mal ein spannendes Ereignis, in den alten, leicht muffig riechenden, dunklen Keller klettern zu dürfen, wo ein großes Regal mit eingemachtem Obst stand.

Wenn ich an das Essen denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Nicht etwa, weil es so besonders oder so besonders gut war, sondern weil ich mich an die Besuche erinnere, an die Kiste mit Spielsachen, die Oma für ihre Enkel da hatte, an den warmen Kohleofen, an das Spülen nach dem Essen, an die weiche Wange meiner Oma, ans Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen, an Bienestich und Streuselkuchen zum Kaffee, an Spaziergänge zur Sieg, an Wiesenblumen, die wir unserer Oma gepflückt haben und und und. Die Erinnerung an die Besuche bei meiner Oma – für meine Schwester und mich immer ein Riesenspaß – sind untrennbar verknüpft an das Essen, das es dort gab.

Und nicht nur mir geht es so:

O-Ton-Collage: Essen bei Oma

Mehr Schwelgen in kulinarischen Erinnerungen an Zuhause kann man übrigens nächste Woche Donnerstag (14.4.) auf WDR5 in der LebensArt. Zu Gast im Studio ist Gastrosoph Nikolai Wojtko.

Eine Antwort zu “Essen bei Oma

  1. Pingback: Gib den Resten eine Chance | wojtko.de

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