Frisch gefragt

Max Frisch wäre heute 100 geworden. Das hat WDR5 zum Anlass genommen, Prominenten seine berühmten Fragen zu stellen. Sehr hörenswert!

Und weil ich die Fragen so spannend finde und mich heute mal wichtig nehme, beantworte ich einfach auch einen Fragebogen.

1. Sind Sie sicher, daß Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert? Warum?

Diese Frage ist so theoretisch, dass man sie nicht mit Ja oder Nein beantworten kann. Denn selbst wenn alle meine direkten Bekannten nicht mehr sind, haben sie doch wohl Nachkommen hinterlassen. Vor allem denke ich da an mein Kind, dass vielleicht Kinder gezeugt hat, die wiederum Kinder gezeugt haben. Und dann stelle ich mir vor, dass eines dieser Kinder oder Kindeskinder seine Kinder aufwachsen sehen will. Das lässt mich dann wohl doch Ja sagen. Die Erhaltung des Menschengeschlechts interessiert mich. Aber nicht aus Gründen des Artenschutzes.

3. Wieviele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?

Keins. Aber die Frage richtet sich wohl auch an Männer.

4. Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Spontan wollte ich schreiben: Meinem Klassenlehrer aus der neunten und zehnten Klasse. Aber da muss es doch weniger profane Antworten geben …

5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?

Ja. Und ich hasse weder die Person noch mich dafür.

6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Nein. Denn dann könnte ich nicht vergessen, wenn ich jemandem gegenüber im Unrecht bin.

7. Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Zum Glück müssen Politiker heute nicht mehr sterben, damit sie Platz für andere machen. Zumindest in Deutschland.

8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meine Großeltern.

9. Wen hingegen nicht?

Zu viele, um sie hier aufzuzählen. Aber niemanden, den ich persönlich kennengelernt habe.

10. Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?

Nein.

11. Wie alt möchten Sie werden?

100

12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

Natürlich nicht.

13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich weiß, dass das, was mir richtig scheint, nicht mehr ist als das Richtige aus meiner Perspektive.

14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?

Ich bin Fußballfan.

Wenn ich aber in mich gehe, kann ich in dem Zusammenhang nicht von Hass sprechen. Ich hasse also nur einzelne Personen. Und viele fallen mir nicht ein. Die hasse ich dann aber gerne exklusiv. Wenn ein Kollektiv einen einzelnen Buhmann hat, weckt das bei mir eine Protesthaltung.

15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, daß Sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.

Andersrum wird ein Schuh draus: Mit 19 dachte ich, dass ich ganz schön klug bin. Genau genommen habe ich irgendwann angefangen zu glauben, dass ich klüger werde. Aber mit 32 habe ich hoffentlich auch noch ein paar Jahre Zeit, diese Meinung wieder aufzugeben.

16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Klar!

17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?

Ich selbst nehme mir übel, dass ich mir nicht abgewöhnen kann, andere im Gespräch zu unterbrechen. Dafür bitte ich natürlich um Verzeihung. Ich denke, dass ist auch eine Eigenschaft, die mir andere dann und wann übel nehmen. Ob es die ist, die man mir am häufigsten übel nimmt, weiß ich allerdings nicht.

18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Nein.

19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, daß der Verstorbenen zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Ich denke bei der Frage wieder an meine Großeltern, über deren Leben ich gerne viel mehr erfahren hätte. Ich wollte sie immer ihre Geschichte erzählen lassen und ein Buch darüber schreiben. Aber ich dachte auch immer, das hätte noch Zeit.

20. Lieben Sie jemand?

Ja.

21. Und woraus schließen Sie das?

Liebe ist nicht das Ergebnis einer Schlussfolgerung.

22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, daß es dazu nie gekommen ist?

Ich bin einfach so behütet aufgewachsen.

23. Was fehlt Ihnen zum Glück?

Nichts. Aber mit mehr Geld wäre ich noch glücklicher.

24. Wofür sind Sie dankbar?

Dafür, dass meine Familie und ich gesund sind (auch wenn das die langweiligste Antwort ist).

25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?

Viel lieber möchte ich als gesundes Tier leben. Die Auswahl an Tieren mit gar nicht so schlechtem Leben ist doch riesig! Als Schimpansin oder als Gepardin, als Adler, als Erdmännchen, nee Erdfrauchen, als Wildpferd …

Aber wenn ich gestorben bin, hab ich wahrscheinlich eh keine Meinung mehr zu der Frage.

2 Antworten zu “Frisch gefragt

  1. Max Frisch ist und war wunderbar. Ein Bier auf ihn. Mindestens!

  2. Pingback: Max Frisch zu Ehren: Ein Fragebogen an der Kasse4 | Kasse4 – Live! Musik! Privates!

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